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Mit der Hände Arbeit - Brandenburgs Handwerk und Industrie im Film

Das Land Brandenburg besitzt ein reiches Erbe an traditionellem Handwerk und industrieller Fertigungstechniken, deren Standorte einerseits auf hier vorhandenen Rohstoffen und Ressourcen – wie Holz, Kalkstein, Tonerde und Wasser – beruhen und andererseits auf die Lage von wichtigen Abnehmern und Kundenhäufungen – hier vor allem die Stadt Berlin – zurückgehen. Ofenkacheln aus Velten, Tuche aus Forst, Denkmalskulpturen aus Lauchhammer, Glas aus Baruth und nicht zuletzt Filme aus Potsdam-Babelsberg waren und sind Begriffe für wirtschaftlichen Erfolg und Qualitätsarbeit, die heute zumeist in Spezialmuseen an den ehemaligen Produktionsstandorten wach gehalten werden. Die einzige Möglichkeit, die Produktionsprozesse und das soziale Miteinander im Werk nachzuerleben, bieten Filmaufnahmen. Die eingeführten Kurzfilmprogramme finden zwischen Juni und November 2016 an sieben Museen im Land Brandenburg statt, legen einen Schwerpunkt auf das Handwerk der Regionen und werden dem Publikum historisch bedeutsame Standorte und Verfahren nahe bringen.
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Vorführtermine:
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Ofen- und Keramikmuseum Velten, So., 9. Oktober 2016
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Aus dem Ton der Pötterberge – Filme über Kachelöfen und Steingut
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"Bollhagen-Keramik, was macht sie so unverwechselbar?" – lautet 1977 eine Frage im DEFA-Dokumentarfilm "Pöttemacher" über die bekannte Künstlerin. Das Porträt über Hedwig Bollhagen gibt darüber hinreichend Auskunft, hält sie und ihre Mitarbeiter in Bild und Ton fest, schweift durch die Werkstätten in Marwitz. Andere Filme über Steingut und das Töpfern tragen belehrenden Charakter ("Bauerntöpferei") oder sollen werben und informieren ("Haël-Werkstätten").
Weit seltener als diese Zeugnisse Veltener Handwerkskunst sind bewegte Bilder über die zweite reiche Produktionsschiene: die Kachelofenfabrikation an fast 40 Standorten in der Stadt. Überlieferte Fernsehbeiträge führen traditionelles Ofensetzen in einem Haus auf dem Dorf vor, geben als "Energiekompaß" Tipps zum richtigen Heizen. 1989 wird der Ofenabriss erläutert und damit dem Trend entsprochen, Kachelöfen durch moderne Heizungen zu ersetzen.
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Mit: Haël-Werkstätten. um 1925 – Bauerntöpferei, 1933-34 – Pöttemacher, 1977 – Aktuelle Kamera: Steinzeugdorf Crinitz, 5.3.1983 – Abendgruß: Elternporträt Ofensetzer, 1982 – Energiekompaß, 1988 – Hobbys, Tips – so wird’s gemacht: Ofenabriss, 1989
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So., 9. Oktober 2016, 15 Uhr
Ofen- und Keramikmuseum & Hedwig Bollhagen Museum Velten, Wilhelmstraße 32, 16727 Velten
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Industriemuseum Brandenburg, Sa., 5. November 2016, 15 Uhr
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Brandenburgisches Textilmuseum Forst, Sa., 12. November 2016, 16 Uhr

DOK Leipzig 2016. Programm im Rahmen der Retrospektive „Der andere Blick? Alltag in der DDR“:

Bei der Arbeit – DDR-Filmamateure erkunden ihre Umwelt
kuratiert von Ralf Forster
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Passage-Kinos Leipzig, Wintergarten, Do., 3. November 2016, 15.30 Uhr
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Die organisierte Freizeitbeschäftigung hatte in der DDR einen hohen Stellenwert, das bewegte Bild eingeschlossen: In 40 Jahren drehten rund 950 Amateure mehr als 10.000 Filme. Dies waren nicht vorrangig „Privatfilmer“, die ihre Familie und den Urlaub ablichteten. Amateurfilmer wollten mehr: künstlerisch arbeiten und die Ergebnisse anderen zeigen – folglich blieben die Oberen nicht untätig. Angetrieben von der Lust am Medium agierten die Amateurfilmer zwischen staatlicher Förderung, Kontrolle und Reglementierung, schufen sich dennoch Freiräume und wirkten in die Öffentlichkeit hinein. Ihre Filme waren oft angepasst, formulierten aber auch Kritik. Verglichen mit den Profis arbeiteten sie mit technisch einfacheren Mitteln, setzten ästhetisch andere Akzente und näherten sich dem Lokalen – vor allem dokumentarisch an. Insofern ist der DDR-Amateurfilm ein Brennglas der damaligen Gesellschaft mit ihrer Kulturpolitik und Ökonomie, den Möglichkeiten von Kunstausübung sowie den Sehnsüchten nach Selbstverwirklichung und Austausch mit Gleichgesinnten.
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DDR-Amateurfilmer hatten sich vielfach in Betriebsfilmstudios zusammen gefunden. Nichts lag näher, als das unmittelbare Umfeld und vor allem die Arbeitswelt zum filmischen Gegenstand zu erklären. Zudem reichte die Staatsdoktrin der „führenden Rolle der Arbeiterklasse“ bis in den Freizeitbereich – und in die Themenwahl von Amateurfilmen. Ob aus eigenem Antrieb oder im Auftrag des Werkes gelangen meist nahe Beschreibungen von neuen Fertigungsstrecken, betrieblichen Rationalisierungen und den Menschen selbst, die von diesen Maßnahmen profitierten. Die Filme sind einerseits geprägt vom Stolz auf den eigenen Betrieb und seinen Produkten und andererseits von kritischen „Einwürfen“ auf unhaltbare Zustände, z.B. im Gesundheits- und Arbeitsschutz. Während in den 1960er Jahren die ideologiekonforme Mythisierung von Arbeit dominierte („Weißes Gold“), setzten spätere Filme andere Schwerpunkte. Sie wendeten sich mehr dem Einzelnen zu, wurden konkreter („Meine Arbeit“) und kritischer („Ist der Ofen aus?“). Regisseure probierten sich in alternativen Erzählweisen („Sechzig Minuten nach Zwölf“). Da viele der bildlich festgehaltenen Werke und Technologien nicht mehr existieren, sind die Filme zudem als herausragende Dokumente der Industriekultur anzusehen.
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Gast: Rainer Hässelbarth (ars cinema Berlin e.V.) – Rainer Hässelbarth war ab 1972 Leiter des Betriebsfilmstudios des Energiekombinates Berlin (AmateurFilmClub ENERGIE). Seit 1990 engagiert er sich im Bundesverband deutscher Filmautoren (BDFA) und im Verein der Freunde des Kinos „Toni“ Berlin.
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Einführung/Moderation: Ralf Forster

Wiederentdeckt 248: „Das gab’ nur einmal“ (BRD 1958, Regie Géza von Bolváry, mit Hans Albers)

Freitag, 2. Dezember 2012, 18.30 Uhr, Zeughauskino Berlin

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In den späten 1940er- und 1950er-Jahren entstanden in Westdeutschland mehrere Erinnerungsfilme an die darin so verstandene Glanzzeit des deutschen Kinos. Aus Sammlerbeständen wurden Filmausschnitte kompiliert und teilweise mit einer Rahmenhandlung versehen. Die Filme bedienten in erster Linie nostalgische Publikumswünsche. „Schnipsel“ aus nationalsozialistischer Zeit dominierten, wurden jedoch nicht entsprechend gekennzeichnet, sondern in einer unscharfen Sprache der Andeutung vorgestellt. Gekürt wurde die künstlerische Leistung. Eine archivgeschichtliche Bedeutung ist den Produktionen nicht abzusprechen.
Abschlusspunkt dieser Reihe war „Das gab’ nur einmal“. Der Film nutzt das Starimage von Hans Albers, der in der Rahmenhandlung als erfahrener Regisseur auftritt und in einer Privatvorführung seine gesammelten Filmschätze präsentiert. Der um zarte Distanz und feine Ironie bemühte Film beruht auf dem gleichnamigen Erinnerungsbuch des Emigranten und Journalisten Curt Riess von 1956, das die Illustrierte „Stern“ vorab veröffentlicht hatte. Anlässlich des Buches fand eine große Gala zur Berlinale 1956 statt. Auszüge dieser Show sind in „Das gab’ nur einmal“ zu sehen.
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Eine Veranstaltung des CineGraph Babelsberg e.V. in Kooperation mit dem Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums
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Einführung: Rolf Aurich, Ralf Forster

Wie der Film unsterblich wurde. Vorakademische Filmwissenschaft in Deutschland

Ein Buch herausgegeben von Rolf Aurich und Ralf Forster; in der Reihe Audiovisuelles Kulturerbe, Band 1, hg. von Chris Wahl,
München: edition text + kritik 2015
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Filme und filmhistorische Materialien können Teil eines Archivs oder einer Sammlung werden. So erlangen sie Bedeutung für Forschung und Lehre, für einen historischen Diskurs oder für die Erinnerungskultur. Als sich der Film allmählich etablierte, war seine Existenz jedoch rasch vergänglich. Es fehlten all jene Personen und Institutionen, die mittlerweile dazu beitragen, dass Materialien bewahrt und Inhalte reflektiert werden: Filmarchive, Institute und Museen, Ausstellungen, Studiengänge, Autoren und Verlage, filmgeschichtliche Websites ohnehin. Die Grundlagen, um die Gedächtnisfunktion des Films praktisch umzusetzen, mussten mühsam geschaffen werden. Doch wer waren die Akteure auf diesem langen Weg gegen das Vergessen, wann traten sie mit welchen Ideen, Erfolgen und Niederlagen in Deutschland auf?
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Die etwa 40 Beiträge dieser Textsammlung gehen erstmals dieser Frage nach und fächern den besonderen Facettenreichtum jener Annäherungen an die Geschichte des Mediums auf: Netzwerke werden erkennbar, die sich aus der Filmbranche selbst heraus entwickelten. Produzenten, Sammler, technische Pioniere und Journalisten machten gemeinsame Sache, erinnerten und riefen zum Bewahren auf. Guido Seeber auf der KIPHO 1925, Karl Wolffsohn in der Licht-Bild-Bühne. Frühe Filmwissenschaftler wie Heinz Baumert und Walter Hagemann arbeiteten zunächst in etablierten Fächern. Publizisten wie Gunter Groll legten methodische Grundlagen zur Filmerforschung. Die Institutionalisierung von filmhistorischer Aktivität lief in den 1930er-Jahren parallel zur Festigung der nationalsozialistischen Diktatur, etwa im Reichsfilmarchiv und in der Ufa-Lehrschau unter Hans Traub. Die Folgen waren ambivalent und strahlten sowohl auf die Bundesrepublik (Filmarchiv der Persönlichkeiten) als auch auf die DDR (Staatliches Filmarchiv) ab. Sie sind in ihrer Bedeutung für die Filmgeschichtsschreibung nach 1945 bis heute nur in Ansätzen analysiert worden.
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Die Edition ist Ende Mai 2015 erschienen und über den Verlag und den Buchhandel bestellbar.

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