Aktuell

Veranstaltung: Für das Verstehen und den Erhalt der Natur – Filme von Christine und Siegfried Bergmann

Programm innerhalb der Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg, kuratiert und eingeführt von Ralf Forster: Freitag, 21. Oktober 2022, Zeughauskino Berlin, 19:00 Uhr; Wiederholung am Montag, 24. Oktober 2022, 19:00 Uhr (ohne Einführung)

Veranstaltung zum Buch: Heimkino auf Ozaphan. Mediengeschichte eines vergessenen Filmmaterials. Berlin: CineGraph Babelsberg 2020 (= Filmblatt-Schriften; 11)

Buchvorstellung mit Filmbeispielen: Donnerstag, 3. November 2022, 19:00 Uhr, Stadtarchiv Wiesbaden

Buch: Greif zur Kamera, gib der Freizeit einen Sinn. Amateurfilm in der DDR. München: edition text + kritik 2018

Das umfangreiche Buch von Ralf Forster untersucht einen wichtigen Bereich organisierter Freizeitbetätigung in der DDR. In 40 Jahren schufen rund 900 Amateure mehr als 10.000 Filme.

Buch: Die Kinderzeitschrift BUMMI. Vom Spielzeugland in die ostdeutsche Wirklichkeit. Reckahn 2017

Das Begleitbuch zur Ausstellung im Rochow-Museum Reckahn ist das Ergebnis der ersten umfassenden kulturwissenschaftlichen Untersuchung der Kinderzeitschrift BUMMI.

Veranstaltung: Für das Verstehen und den Erhalt der Natur – Filme von Christine und Siegfried Bergmann

Programm innerhalb der Reihe FilmDokument von CineGraph Babelsberg, kuratiert und eingeführt von Ralf Forster: Freitag, 21. Oktober 2022, Zeughauskino Berlin, 19:00 Uhr; Wiederholung am Montag, 24. Oktober 2022, 19:00 Uhr (ohne Einführung)

Im Unterschied zu den bekannten bundesdeutschen Naturfilmern Hans Hass, Bernhard Grzimek und Heinz Sielmann ist das Werk von Christine und Siegfried Bergmann bis heute nahezu unbekannt. Obwohl viele ihrer Filme bis 1990 Unterrichtsstoff der allgemeinbildenden Schulen waren und obwohl beide in die Fußstapfen des Altmeisters des Biologiefilms, U.K.T. Schulz, traten.
Die Dramaturgin Christine Jahrow und der Regiekameramann Siegfried Bergmann lernten sich bei der DEFA kennen; ab 1971 wirkten sie in Personalunion in mehr als 70 Filmen über biologische Prozesse, die Natur und insbesondere den Naturschutz – weit über die politische Wende hinaus. Sie vereinte die Liebe zur zunehmend bedrohten Natur. Mehr als 15 Jahre lang betätigten sie sich zwischen April und Juni als Vogelwarte auf den Inseln Oie und Kirr im Barther Bodden. Dem Schutz der dortigen Fauna und den Konflikten mit der Intensiv-Landwirtschaft ist auch ihr Film DIE VERBOTENEN INSELN (1971/72) gewidmet.
Das Schaffen von Christine und Siegfried Bergmann lässt sich einteilen in Lehrfilme für Kinder und Jugendliche, Kurzfilme fürs Kinovorprogramm und Fernsehdokumentationen. Das Programm vereint Beispiele aller drei Kategorien.
Über die Arbeit zu konventionellen agrarischen Themen und biologischen Vorgängen (GEHEIMNISSE UNTER DER EISCHALE?, 1965) gelangten sie zu einer zunehmend kritischen Sicht auf die industrielle Landwirtschaft, die ab den 1970er Jahren in deutliche Filme pro Naturschutz und über entsprechende Aktivisten mündete (KOMM, TRAPPI, KOMM!, 1982). Ihre Stellungnahmen wollten aufrütteln; sie entstanden allerdings innerhalb des kontrollierten DDR-Mediensystems und der DEFA-Hierarchie, so dass Kritik gemäßigt formuliert werden musste. Neben dem Erhalt der Natur ging es den Bergmanns auch um ihr Verstehen, das Weitergeben entsprechender Kenntnisse an die junge Generation. Insofern entsprach es ihren Intentionen, dass Filme über Hecht, Frosch, Süßwasserpolyp, Honigbiene und Schmetterling als 16mm-Kopien durch die Schulen wanderten.
Christine und Siegfried Bergmann unternahmen ihre Kamera-Streifzüge vor allem in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Im Norden der DDR fanden sie eine zumeist noch intakte Natur vor, mit seltenen Landschaftsformen (unbewohnte Inseln, Söller) und Tieren (Großtrappen). Zugleich zeigten sich die menschlichen Eingriffe umso gravierender, etwa im ehemaligen Moorgebiet der Friedländer Großen Wiese. Die Bergmanns verarbeiteten das Gesehene in filmischen Plädoyers für eine umfassende Renaturierung (GESCHUNDENES MOOR, 1990), ehe sie in den 1990er Jahren verstärkt auf eine andere zernarbte Region blickten: die Lausitz mit ihren Braunkohlentagebauen.

Filme:
GEHEIMNISSE UNTER DER EISCHALE?, 1965, 17 min
DIE VERBOTENEN INSELN , 1971/72, 16 min
KOMM, TRAPPI, KOMM!, 1982, 18 min
WEGE EINES TIERFILMER, 1990, 28 min
GESCHUNDENES MOOR , 1990, 18 min